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Über uns :

Kleine Chronik der Arzbacher SPD

Vorwort

Die sozialdemokratische Bewegung in Arzbach lässt sich bis zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Schriftliche Unterlagen und Dokumente sind so gut wie nicht vorhanden. Glücklicherweise gibt es jedoch absolut glaubwürdige und sehr detaillierte Aufzeichnungen von Überlieferungen und Erinnerungen eines Zeitzeugen, unseres hochgeschätzten Ur-Sozialdemokraten Ewald Lehmler, der leider schon im Jahr unseres 50jährigen Jubiläums 1996 verstarb. Diese und einige weitere Aufzeichnungen sind die Quelle für die Geschichte der Arzbacher SPD bis zum Jahre 1933 und der ersten Nachkriegszeit.

Von den Anfängen bis 1933

Aufgrund der damaligen großen sozialen Missstände und der dadurch bedingten bitteren Armut und Not der Arbeiter fielen die sozialdemokratischen Ideen im Bergarbeiterdorf Arzbach schon frühzeitig auf fruchtbaren Boden. Bereits etliche Jahre vor der Jahrhundertwende traten einige Arzbacher Bergleute dem stark sozialdemokratisch geprägten „Allgemeinen Bergarbeiterverband im Deutschen Gewerkschaftsbund“ bei. Dazu gehörte beim damaligen Zeitgeist sehr viel Mut! Durch den Bergarbeiterverband wurden die Bergleute mit dem sozialdemokratischen Gedankengut vertraut. Auch der Arzbacher Bernhard Gerharz (Vater des späteren „Bernhards Karl“) trug viel dazu bei. Er hatte in seinen Gesellen- und Wanderjahren in der Schweiz in sozialdemokratischen Organisationen mitgearbeitet und brachte deren Gedankengut und entsprechende Literatur mit. Um die Jahrhundertwende fand auch die erste sozialdemokratische Versammlung mit einem Referenten aus Frankfurt im Gasthaus „Zum Wiesengrund“ statt, äußerst argwöhnisch und gar feindselig beäugt von den damaligen sehr konservativ eingestellten Dorfhonoratioren. In den Folgejahren soll der Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes und SPD-Reichstagsabgeordnete Otto Hue öfter in Arzbach, im Gasthaus „Zum Wiesengrund“, Urlaub gemacht haben. Er wird diese Aufenthalte sicher auch zur Verbreitung seiner politischen Überzeugung genutzt haben. Der Boden für eine breite Zustimmung zur SPD war also bereitet. Folgerichtig wurde bald nach dem 1. Weltkrieg im Jahre 1919 ein SPD-Ortsverein gegründet. Erster Vorsitzender war Peter Gerharz IX („Treines Peter“), Vater des späteren Ortsvereins-Vorsitzenden Helmut Gerharz. Weitere Mitglieder, an deren Namen sich Ewald Lehmler noch erinnern konnte: Christian Specht, Franz Specht, Jakob Specht, Clemens Stotz, Theodor Lehmler. Der vom Ortsverein vorgeschlagene Clemens Stotz wurde 1919 in den Kreistag des Unterwesterwaldkreises gewählt, dem er bis zu dessen Auflösung durch die Nazis im Jahre 1933 angehörte. Über die weiteren Entwicklungen des Ortsvereins bis 1933 gibt es keine verlässlichen Angaben. Es spricht einiges dafür, dass sich der Ortsverein unter dem Druck der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse etwa Mitte der zwanziger Jahre auflöste und im demokratischen „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ aufging, zumal dessen Arzbacher Ortsgruppe ausschließlich aus Sozialdemokraten bestand. Bis zur Hitler-Wahl 1933 sorgten die Brüder Ewald und Heinrich Lehmler, Franz Specht und Clemens Stotz in der gesamten Augst u. a. auch für die Organisation von Versammlungen und die Plakatierung bei Wahlen.

1933 bis 1945

Nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 wurden alle politischen Betätigungen der SPD brutal beendet. Auch Arzbacher Sozialdemokraten ereilte das Schicksal, von den Nazis und ihren Helfershelfern verfolgt, verhaftet, eingesperrt und in vielfältiger Weise schikaniert zu werden. Mit welchem Einsatz und Mut Sozialdemokraten damals handelten macht folgende Tatsache deutlich: Ewald Lehmler und Karl Gerharz wollten unter allen Umständen verhindern, dass die Fahne des SPD-Ortsvereins den Nazis in die Hände fiel. Sie legten diese Fahne also in einen Blechkasten, den sie zulöteten und im Garten vergruben. Nach dem Ende des Nazi-Terrors holten sie die Fahne im Triumph wieder heraus.

Neubeginn 1945

Nach dem Zusammenbruch des „Tausendjährigen Reiches“ 1945 regte sich schnell wieder demokratisches politisches Leben. Bereits 1945 wurde in Bad Ems ein Ortsverband der Gewerkschaft gegründet, dem auch Arzbacher Sozialdemokraten angehörten. Die Besatzungsmacht setzte in Arzbach einen kommissarischen Gemeinderat aus bekannten Antinazis – überwiegend Sozialdemokraten – ein. Im März 1946 wurde bei der Gründungsversammlung im Gasthaus „Zum Wiesengrund“ wieder ein SPD-Ortsverein ins Leben gerufen, dessen Vorsitz Ewald Lehmler übernahm. Nach seiner Erinnerung waren außer ihm noch folgende Genossen Gründungsmitglieder:

  • Josef Gerharz („Klein Josef“)
  • Alois Gerharz („Kaule Alois“)
  • Karl Gerharz („Bernhards Karl“)
  • Franz-Max Lehmler („Kesseler Max“)
  • Vencenz Duck („Ducke Vincenz“)
  • Josef Best („Klempittersch Josef“)
  • Theodor Winkler („Anner Theodor“)
  • Karl Specht („Kulturersch Karl“)
  • Franz Winkler („Hampfleps Franz“)
  • Josef Lehmler („Kesseler Jupp“)
  • Josef Lehmler („Horchemers Jupp“)

sowie

  • Johann Merz und
  • Peter Schupp aus Kadenbach

Bei der ersten Kreistagswahl nach dem Krieg wurde der vom Ortsverein vorgeschlagenen Genosse Theodor Winkler in den Kreistag es Unterwesterwaldkreises gewählt. Die SPD erhielt in Arzbach 360 Stimmen, das waren 61,9% der abgegebenen Stimmen. Nachdem Theodor Winkler aus beruflichen Gründen bei der nächsten Kreistagswahl nicht mehr kandidierte, wurde Ewald Lehmler vom Ortsverein vorgeschlagen und auch in den Kreistag gewählt, dem er von 1952 bis 1960 angehörten. Im Arzbacher Gemeinderat war die SPD u. a. durch Ewald Lehmler, Josef Best, Karl Gerharz, Josef Lehmler und Franz Winkler vertrete. 1957 übernahm Helmut Gerharz den Ortsvereins-Vorsitz, den er bis 1972 innehatte. Er war in verschiedenen Gremien und Funktionen für die SPD engagiert, wie:

  • Fraktionsführer im Arzbacher Gemeinderat von 1960 bis 1972,
  • Mitglied des Kreistages von 1960 bis 1974,
  • Vorsitzender der Kreis-SPD Unterwesterwald von 1962 bis 1972.

Eine einschneidende Änderung trat 1972 durch die Verwaltungsreform bzw. die kommunale Neugliederung und die Bildung von Verbandsgemeinden ein. Nach langen und sehr kontrovers geführten Diskussionen – auch in unserem Ortsverein - entsprach die Landesregierung dem einstimmigen Willen des Ortsgemeinderates und ordnete Arzbach der Verbandsgemeinde Bad Ems zu. Dadurch musste Arzbach den Unterwesterwaldkreis verlassen und gehört seitdem dem Rhein-Lahn-Kreis an. Das bedeutete natürlich für die Arzbacher SPD eine Neuorientierung, die aber nach einigen schmerzlichen internen Schwierigkeiten gut gelang. Heute ist unser Ortsverein längst ein allseits anerkannter und gewichtiger Teil des SPD-Gemeindeverbandes (GV) Bad Ems, dessen aktuelle Vorsitzende die 1. Beigeordnete der Gemeinde Arzbach Marlene Meyer ist, sowie fest integriert im SPD-Kreisverband Rhein-Lahn. So kommt es auch nicht überraschend, dass sowohl Rudi Schmidt als auch Marlene Meyer zeitweilig Kreistagsmandate im Rhein-Lahn-Kreis erringen konnten. Ab 1972 führten den SPD-Ortsverein als 1. Vorsitzende(r):

  • 1972 bis 1974 Willi Specht
  • 1974 bis 1984 Kurz Gerharz
  • 1984 bis 1986 Edith Poetzsch
  • 1986 bis 1996 Rudi Schmidt
  • 1996 bis 2004 Gerhard Wagner
  • 2004 bis 2012 Franz-Josef Fetz

Heute

Seit 2012 ist Marlene Meyer 1. Vorsitzende. Ihr zur Seite steht derzeit folgender Vorstand:

  • stellv. Vorsitzender Franz-Josef Fetz
  • Geschäftsführer Jürgen Hammerl
  • Kassierer Frank Künkler
  • Beisitzer:
    Peter Fuchs, Dieter Hand, Sabine Laux, Roger Ludwig, Egdar Dennebaum, Michael Pollmer, Hartmut Rübsamen

Die Schilderung weiterer vielfältiger und teils heraus gehobener Tätigkeiten und Funktionen von Genossinnen und Genossen in SPD-Gremien und auf kommunalpolitischer Ebene würde hier jedoch zu weit führen. Zusammenfassend können wir jedenfalls mit einigem Stolz feststellen:

Die SPD war und ist seit jeher die mit Abstand stärkste, aktivste und prägende politische Kraft in Arzbach.

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